Teurer Schutz für Kredite: Kostenfalle Restschuldversicherung

Verbraucher sollten bei Ratenkrediten den Abschluss einer zusätzlichen Restschuldversicherung sorgfältig prüfen. Die Gesamtkosten eines Darlehens können sich durch die Policen leicht verdoppeln, existenzielle Risiken werden dagegen nur selten zuverlässig abgedeckt.

Je nach Studie wird jeder dritte bis jeder vierte Ratenkredit im deutschen Privatkundengeschäft zusammen mit einer Restschuldversicherung verkauft. Banken bieten die Versicherungen in Filialen ebenso wie im Internet offensiv an und machen mit den Policen gute Geschäfte. Allzu oft treibt Kreditnehmer das eigene schlechte Gewissen zum Abschluss.

Zu teuer für ein „gutes Gewissen“

Bankberater wissen: Vor allem bei Konsumfinanzierungen werden viele Bankkunden von ihrem schlechten Gewissen geplagt. Restschuldversicherungen dienen deshalb nicht nur zur Absicherung verschiedener Risiken, sondern auch zur eigenen Beruhigung der Kreditnehmer. Zynisch betrachtet liegt ein klassischer Ablasshandel vor: Wer bereit ist die Prämie zu zahlen erhält von der Bank mit dem Versicherungsschein gewissermaßen ein Testat für verantwortungsvolles Wirtschaften.

Restschuldversicherungen haben ihren Preis: Im Durchschnitt entspricht die Prämie einem zusätzlichen Effektivzins in Höhe von rund sechs Prozent. Bei dem gegenwärtig niedrigen Zinsniveau führt der Abschluss der Versicherung deshalb leicht zu einer Verdopplung der Gesamtkosten eines Kredits.

Versicherungsschutz ist oft lückenhaft

Die meisten Versicherungen sehen eine Übernahme der laufenden Kreditraten im Fall von Krankheit oder unverschuldeter Arbeitslosigkeit und die Ablösung des Restsaldos im Todesfall vor. Die Versicherungsbedingungen sind jedoch ausgesprochen heterogen und bisweilen lückenhaft.

So schließen einige Versicherer häufige Erkrankungen aus oder verlangen bei Arbeitslosigkeit lange Karenzzeiten. Einige Verträge sehen vor, dass erst im Leistungsfall geprüft wird ob der Versicherungsnehmer aufgrund von Vorerkrankungen Versicherungsschutz überhaupt erhalten kann. Selbständige können sich gegen Erwerbslosigkeit ohnehin kaum absichern.

Mit Ausnahme von Arbeitslosigkeit lassen sich die versicherten Risiken ohnehin besser mit eigenständigen Policen absichern: Krankentagegeldversicherung, Berufsunfähigkeitspolice und Risikolebensversicherung schützen Kreditnehmer und Angehörige gegen alle Risiken in Verbindung mit dem Verlust von Einkommen. Letztlich wirkt ein auf Kreditraten beschränkter Schutz wie eine Hausratversicherung, die nur für das TV-Gerät gilt.

Gesamten Effektivzins ausrechnen und vergleichen

Banken (und Vergleichsportale) gehen beim Verkauf von Restschuldversicherungen ausgesprochen trickreich vor und verlassen sich darauf, dass ein erheblicher Teil der Kundschaft nicht kritisch hinterfragt.

So listen einige Vergleichsrechner Kreditangebote nicht absteigend nach dem Effektivzins, sondern nach der Monatsrate – in der die Prämien der Restschuldversicherung bereits enthalten sind. Wird zusätzlich direkt daneben der Effektivzins eingeblendet werden viele Verbraucher getäuscht. Weitere gängige Varianten der „Verkaufsförderung“: Um die Versicherung nicht (!) abzuschließen muss ein Kontrollfeld deaktiviert oder ein Popup aufgerufen werden.

Rechtlich sind diese Vorgehensweisen einwandfrei: Das Gesetz sieht ausdrücklich vor, dass kein gemeinsamer Effektivzins berechnet werden muss, da es sich bei Kredit und Versicherung um voneinander unabhängige Verträge handelt. Wer Monatsrate, Kreditbetrag und Laufzeit kennt kann sich mit einfachen, frei im Internet verfügbaren Rechentools aber leicht helfen und den Effektivzins berechnen.

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