Hotel Neptun Warnemünde: Vom Hotel der Spione zum Fünfsternehotel

Im Frühjahr 1971 begann ein Hauch von Luxus das Ostseebad Warnemünde zu umwehen. Um das Hotel „Neptun“ ranken sich bis heute zahlreiche Legenden, Mythen und Spekulationen. Ursprünglich sollten nur Ausländer aus dem nichtsozialistischen Wirtschaftsgebiet als Gäste zugelassen und Devisen in die Staatskasse der DDR gespült werden. Aber schon auf dem Parteitag der SED im selben Jahr wurde die Einheit von Wirtschafts- und Sozialpolitik beschlossen. Der Machtwechsel von Ulbricht zu Honecker bescherte nun auch dem kleinen Arbeiter die Möglichkeit, Urlaub in einem westlichen Ambiente zu machen, ohne die DDR verlassen zu müssen. Zwölf Tage Vollpension kosteten 310 Mark der DDR. Gastronomische Dienstleistungen außerhalb der Vollpension konnte sich bei Preiskategorie S+200 kaum jemand leisten. Mehr noch als jedes andere Hotel der gehobenen Klasse in der DDR wurden dem Neptun Machenschaften mit der Stasi nachgesagt. Einen Sonderstatus erhielt es unter anderem dadurch, dass es nicht der Kette der Interhotels angehörte, sondern Objekt der HO, der Handelsorganisation, war. Der Volksmund nannte es deshalb auch Stasi-Hotel. Wie richtig diese Namensgebung war, zeigte sich an der Aussage von Hoteldirektor Wenzel, der offen zugab, dass die Bespitzelung von Gästen „die ganz normale Arbeit von Sicherheitsdiensten in Hotels auf der ganzen Welt“ sei.

Internationaler Waffenhandel, KoKo und Inoffizielle Mitarbeiter

Bis heute konnten die Verflechtungen des Hotels und seiner Mitarbeiter mit der Stasi und dem Bereich Kommerzielle Koordinierung (KoKo) des Ministeriums für Außenhandel der DDR nicht restlos aufgeklärt werden. Bekannt ist, dass Direktor Klaus Wenzel offiziell für die Stasi tätig war. Auch Empfangschef Klippstein wurde in Hohenschönhausen in den Akten als IM „Benjamin“ geführt. Sie alle behielten auch nach der Wende ihren Posten oder verbesserten sich sogar. Klippstein wurde zum Beispiel Direktor des Berliner Hotels „Adlon“, musste aber nach Bekanntwerden seiner Stasi-Vergangenheit gehen. Die Welt veröffentlichte damals Auszüge seiner Stasi-Akte im Internet. Wenzel blieb bis zu seiner Pensionierung im Jahre 2007. Als das Management in diesem Jahr bekanntgab, dass neue Leute aus den eigenen Reihen nachrücken werden, war laut stern.de auch einer unter ihnen, der Ende der 80er Jahre als IM „Peter Müller“ für die Stasi spitzelte. Laut der Gauck-Behörde in Rostock waren von der Gründung bis zur Wende rund 250 inoffizielle Mitarbeiter der Staatssicherheit im Hotel tätig.

Nur etwa dreißig Kilometer vom Hotel befand sich ein Lager der KoKo-Firma IMES Export Import, die mit Waffen und militärischem Gerät handelte. Devisenbeschaffer Schalck-Golodkowski hatte eine ständige Suite im Neptun. Dass hier auch Verhandlungen über Waffenlieferungen stattfanden, ist zu vermuten. Um Rainer Barschel kursieren etliche Gerüchte. Er soll sich im Neptun mit einer Geliebten getroffen haben, die für die Stasi spitzelte, er soll beim Sex von der Stasi gefilmt und anschließend mit dem Material erpresst worden sein und es gibt auch Vermutungen, dass sein Tod mit Geschäften in Zusammenhang stehen könnte, die er im Neptun abhielt.

Undurchsichtige Eigentumsverhältnisse

Nach der Wende gab es etwa 30 Bewerber, die ihr Interesse an der Nobel-Herberge bekundeten. Vielleicht haben die guten Kontakte von Wenzel und Schalck-Golodkowski eine Rolle gespielt, dass schlussendlich ein Käufer den Zuschlag erhielt, der sich verpflichtete, alle 380 Mitarbeiter des Hotels zu übernehmen. Grund zu dieser Vermutung bietet die Tatsache, dass die Treuhand Ende 1990 Peter Danckert, ehemaliger Anwalt von Schalck-Golodkowski, in den Aufsichtsrat des Hotels berief. Neuer Eigentümer wurde jedenfalls die britische Hotelkette Albert Abela Ameropa Associates Ltd., die auch vor der Wende schon mit der HO und der KoKo kooperiert hatte. Sie investierte fünfzehn Millionen Euro in die Renovierung und zog sich nach nur vier Jahren wieder zurück.

Heute gehört das Hotel „Neptun“ der Deutschen Seereederei. Dies ist der Nachfolgebetrieb des ehemaligen VEB Seereederei Rostock. Auch bei deren Privatisierung mauschelte die Treuhand damals und verkaufte sie an zwei Einzelpersonen, die Hamburger Investoren Rahe und Schües, obwohl die Firma Bremer Vulkan Verbund AG großes Interesse bekundet hatte. Rahe und Schües gründeten etliche Tochtergesellschaften. Heute gehört das Hotel „Neptun“ der Arkona AG, einer hundertprozentigen Tochter der Deutschen Seereederei.

Das Hotel Neptun ist kein Highlight der Architektur

Architektonisch ist die Herberge keine Sensation. Obwohl mit Devisen und unter Leitung des schwedischen Baukonzerns SIAB erbaut, fügte sich das Objekt relativ gut in die damals übliche Plattenbauweise ein. Einzige Raffinessen sind der Meeresblick aus allen 336 Zimmern sowie das sich öffnen lassende Dach der Sky Bar im neunzehnten Stock. Wesentlich ansprechender war da schon der einen Steinwurf vom Neptun entfernte „Teepott“. Der Prestigebau hob sich wohltuend von der sonst so tristen Architektur in der DDR ab und wurde von Ulrich Müther entworfen. Das Gebäude beherbergt noch heute mehrere gastronomische Betriebe sowie einen Maritim-Shop. Der 1934 in Binz geborene Bauingenieur Müther war bekannt für seine doppelt gekrümmten Schalentragwerke und ein Vertreter der architektonischen Moderne. Beispiele seiner spektakulären Bauwerke sind beispielsweise das Strandrestaurant „Ostseeperle“ in Glowe, die Veranstaltungshalle „Hyparschale“ in Magdeburg oder die kosmisch anmutende Seenotrettungsstation in Binz. Das Neptun war eher schlicht und überzeugte vor allem durch luxuriöses Interieur und die für die damalige Zeit einmalige Meerwasserschwimmhalle und das Wellenbad.

Erstes Original-Thalasso-Zentrum Deutschlands

Anfang der 90er Jahre erhielt das Hotel als erstes Hotel in Deutschland das Zertifikat „Original-Thalasso-Zentrum“. Mit dem Begriff Thalasso wird die Behandlung von Krankheiten bezeichnet, bei der kaltes oder erwärmtes Meerwasser, Meeresluft, Sonne, Algen, Schlick und Sand zur Anwendung kommen. Die Kriterien des Verbands deutscher Thalasso-Zentren beinhalten für ein solches Zertifikat unter anderem die Punkte:

·      das Hotel darf maximal 300 Meter vom Meer entfernt liegen

·      Behandlungsmöglichkeit mit frischem und unbehandelten Meerwasser

·      Das Hotel muss über mindestens ein Meerwasserbecken verfügen

·      genügend Kapazitäten an Personal und Behandlungskabinen, die jedem Gast täglich drei Einzelbehandlungen erlauben

·      Verfügbarkeit von mindestens einem Badearzt, Masseur, Therapeuten und Sportlehrer

·      ständige Kontrolle von Hygiene und Sicherheit

·      Angebot weiterer gesundheitlicher Aktivitäten

Der Thalasso-und-Spa-Bereich des Hotels erfüllt all diese Kriterien. Außerdem wird Gästen die von Physiker Prof. Manfred von Ardenne entwickelte Sauerstoff-Mehrschritt-Kur (SMK) angeboten.

Auch bei Golfsportlern hat sich das Hotel einen Namen gemacht. Gäste haben die Wahl, auf zwei Anlagen ihrem Hobby nachzugehen:

·      drei Kilometer entfernte Golfanlage Warnemünde: 27-Loch-Golfanlage mit drei kombinierbaren 9-Loch-Plätzen, ein öffentlicher 6-Loch-Kurzplatz mit Driving Range, eine Golfschule für Einzel- und Gruppentraining sowie ein Clubhaus

·      25 Kilometer entfernte Golfanlage Wittenbek: 18-Loch Meisterschaftsplatz Eikhof, 9-Loch-Kompaktplatz Höstingen für Anfänger

Als Golfbetreuerin und Personal Trainer fungiert übrigens die ehemalige Europameisterin im 400-Meter Lauf und Weltmeisterin mit der Staffel, Grit Breuer-Springstein. Das Sportangebot wird ergänzt durch Klimawandern, Radfahren, Walken, Wassersport und das hauseigene Fitness-Studio mit Meerblick.

Fünf Sterne nach den Vergaberichtlinien der Hotelstars Union

In der DDR war die Klassifizierung von Hotels in Sternekategorien nicht üblich. Deshalb musste sich auch das Hotel Neptun nach der Wende auf dem Hotelmarkt behaupten und sich die Zertifizierung als Fünfsternehotel verdienen. Allerdings gab es bis 2009 auch im Westen Deutschlands kein einheitliches Bewertungssystem. Erst im Dezember 2009 gründeten die Hotelverbände aus Deutschland (DEHOGA), den Niederlanden, Österreich, Schweden, der Schweiz, Tschechien und Ungarn die Hotelstars Union. Ein Jahr später schlossen sich auch Estland, Litauen, Lettland und Luxemburg dem Verband an. Inzwischen sind fünfzehn Länder Mitglied der Hotelstars Union. Die Standards für die Hotelklassifizierung wurden seitdem mehrmals überarbeitet.

Im Rahmen der überarbeiteten und weiterentwickelten Klassifizierung von der Hotelstars Union wurde das Hotel Neptun 2012 mit der begehrten 5-Sterne-Plakette ausgezeichnet. Zu den Kriterien eines Fünfsternehotels gehören unter anderem:

·      exklusive, luxuriöse Ausstattung

·      unverwechselbarer Betriebscharakter, makelloser Zustand der gesamten Hardware

·      24 Stunden besetzte Rezeption mit mehrsprachigen Mitarbeitern

·      24 Stunden Zimmerservice

·      räumlich großzügige Zimmer und Angebot von Suiten

·      perfekte Dienstleistungsqualität mit sehr hohem Mitarbeitereinsatz

·      Qualitätsprüfung durch einen Inkognito-Test

Eine Luxusherberge war das Neptun aus der Sicht eines DDR-Bürgers schon immer. Seit 2012 wurde dieser Status auch offiziell im System der Marktwirtschaft bestätigt. Die Entwicklung vom Hotel der Spione zum luxuriösen Spa-und-Wellness-Hotel ist in der deutschen Hotellerie einzigartig. Das Neptun wurde inzwischen mit zahlreichen Auszeichnungen bedacht. 2010 erhielt das Neptun den TUI Holly und wurde somit unter die 100 beliebtesten Ferienhotels weltweit gewählt. Der Deutsche Wellnessverband bewertet das Hotel seit 2002 mit dem Qualitätsprädikat „EXZELLENT“. Nostalgiker können sich noch heute in der Grillstube BROILER an alte DDR-Zeiten erinnern. Und wer es damals nicht ins Neptun geschafft hat, kann sich heute bei entsprechendem Reisebudget selbst vom exklusiven Ambiente in bester Lage überzeugen.

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