Kriminalität in Deutschland – Ursachen, Bekämpfung und Daten

Die Entwicklung der Kriminalität in Deutschlands Großstädten ist politisch ein dauerhaft aktuelles Thema.

Es gibt verschiedenste Ansätze, um Kriminalität zu bekämpfen, doch wie steht es überhaupt um die Kriminalität in Deutschland? Handelt es sich um ein ernsthaftes Problem? Gibt es mehr Kriminalität als früher?

Was ist Kriminalität?

Bevor man sich sachlich und differenziert mit einem gleichzeitig so komplexen wie emotionalen Thema wie Kriminalität überhaupt auseinandersetzen kann, ist es nötig, den Begriff zu definieren und anschließend verschiedene Arten vorzustellen.

Im Allgemeinen wird Verhalten dann als kriminell definiert, wenn es gegen die jeweils bestehenden, strafrechtlichen Normen verstößt. Dabei handelt es sich um Verstöße, die in allen sozialen Schichten vorkommen. Genauer ist es allerdings, wenn jedweder Übergriff auf ein fremdes, nicht eigenes Rechtsgut unter dem Begriff firmiert.

Arten der Kriminalität

Entsprechend vielfältig sind auch die Formen der Kriminalität. Juristen unterscheiden zwischen verschiedensten Formen, so etwa zwischen Alltags-, Klein-, und Kavaliersdelikten sowie Schwer- und Schwerst-, Wirtschafts- und Umweltkriminalität.

Unter Kavaliersdelikten versteht man recht kleine Vergehen, wie etwa das Herstellen von illegalen Datenkopien, Schwarzfahren im öffentlichen Personennahverkehr oder das Überschreiten der zulässigen Höchstgeschwindigkeit mit dem Pkw. Wichtig ist, dass Kavaliersdelikte nicht unbedingt folgenlos bleiben müssen und durchaus schlimmere Folgen haben können – so etwa das Anfahren eines Passanten durch die Übertretung der Höchstgeschwindigkeit. Die Delikte an sich bezeichnet man trotzdem als Kavaliersdelikte.

Zur Alltagskriminalität gehören zum Beispiel Diebstähle und die Erschleichung von Leistungen wie zum Beispiel Versicherungsbetrug, ebenso Sachbeschädigung. Im öffentlichen Raum kommt als Form der Sachbeschädigung noch der Vandalismus hinzu, dessen Bekämpfung Städte und Kommunen vor Herausforderungen stellt.

Gewaltverbrechen sind indes im bundesdeutschen Strafrecht kein fest stehender Begriff. Vielmehr handelt es sich um einen Sammelbegriff für verschiedene Straftaten, so etwa für Totschlag, Mord, gefährliche und schwere Körperverletzung, aber auch Raubdelikte, sexuelle Nötigung und Vergewaltigung zählen zu diesen Verbrechen dazu.

Bei den schweren Formen der Kriminalität handelt es sich beispielsweise um diese Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung, Organisierte Kriminalität und die Wirtschaftskriminalität.

Wie kriminell ist Deutschland?

2016 wurden in Deutschland 6.372.526 Straftaten polizeilich registriert, insgesamt 0,7 Prozent – zurzeit leben knapp 83 Millionen Menschen in der Bundesrepublik.  2002 lag die Zahl bei insgesamt 6.507.394 und lag damit doch recht deutlich über der gegenwärtigen Zahl. Mit Blick auf die Jahre 2013-2016 ist allerdings wieder ein Anstieg zu verzeichnen, lag doch die Gesamtzahl 2013 nur bei 5.961.662.

Bei diesen Zahlen ist allerdings zu berücksichtigen, dass die Zahl ausländerrechtlicher Verstöße zu Beginn der Flüchtlingskrise 2015 im Vergleich zum Jahr zuvor von 156.396 auf 402.741 explodierte. Der Anteil an derlei Verstößen,  unter denen man „Straftaten gegen das Aufenthalts-, das Asyl- und das Freizügigkeitsgesetz“ versteht, lag bezogen auf die Gesamtkriminalität bei 7,7 Prozent. Während von diesen Fällen 2015 noch 99,7 Prozent aufgeklärt werden konnten, sank die Aufklärungsquote 2016 auf 83,8 Prozent ab.

Wenig überraschend liegt im Bundesländervergleich Nordrhein-Westfalen auf dem ersten Platz, rechnet man die ausländerrechtlichen Verstöße heraus. Als bevölkerungsreichstes Land der Republik hat Nordrhein-Westfalen die meisten Straftaten zu verzeichnen und liegt bei knapp anderthalb Millionen. Niedersachen hatte mit 551.767 Straftaten auf knapp acht Millionen Einwohner etwa ein Drittel Straftaten zu verzeichnen.

Für Hannover ist indes ein Anstieg an Straftaten zu beobachten. Von insgesamt knapp 110.000 Straftaten im Jahre 2012 ist die Anzahl bis 2016 auf knapp 122.000 Straftaten angestiegen. Jedoch sind hierbei kleinere Delikte wie Ladendiebstähle, das Erschleichen von Leistungen und die verschiedenen Verstöße gegen das Aufenthalts- und Asylverfahrensgesetz nicht herausgerechnet. Nimmt man diese aus der Statistik heraus, ist der Anstieg von 94.005 auf 98.338 Straften zu bezeichnen – also insgesamt ein wesentlich geringeres Ansteigen.

Bedenklich ist nicht nur, dass Hannover damit auf den vordersten Plätzen zwischen den Metropolen Deutschlands rangiert, sondern auch die Tatsache, dass es in der Bundesrepublik ein Nord-Süd-Gefalle zu geben scheint. Im Norden scheinen insgesamt erheblich mehr Straftaten begangen zu werden als im Süden – gleichzeitig gibt es in Großstädten etwa drei Mal so viel Kriminalität wie auf dem Lande.

Ansätze zur Erklärung von Kriminalität

Es ist nicht verwunderlich, dass die große Anzahl verschiedener Erklärungsversuche zur Entstehung von Kriminalität auf dem Feld der Soziologie zuhause ist.

Ältere Ansätze stammen jedoch auch aus anderen Wissenschaften, so etwa der Biologie. So wird eine Veranlagung durchaus als möglicher Grund für die Entstehung von krimineller Energie herangezogen. Die bereits früh widerlegte These, es gebe Menschen, die ausschließlich aufgrund ihrer genetischen Disposition kriminell würden, wurde von den Nationalsozialisten als Rechtfertigungsstrategie für ihre Verbrechen benutzt.

Wahrscheinlicher sind indes neben der genetischen Vererbung andere Faktoren wie etwa biochemische oder neurowissenschaftliche Aspekte. Der Unterschied zu den alten Theorien einer biologischen und allein Ausschlag gebenden Veranlagung besteht darin, dass die neurowissenschaftlichen und biochemischen Anlagen oder Veränderungen im Leben eines Menschen als möglicher Teil, nicht aber als alleinige Ursache für die Hinwendung zur Kriminalität verstanden werden.

Ein weiterer und weitgehend Konsens findender Ansatz ist, Kriminalität als Produkt der gegebenen Rahmenbedingungen der Umwelt zu erklären. Ein Beispiel: Person X findet durch die nicht existenten Bildungschancen und die allgemeine Ablehnung höherer Ausbildung in seinem persönlichen Umfeld sowie deren Befürwortung von Gewalt keinen Zugang zum Arbeitsmarkt, die das Erringen von materiellen Gütern im umfangreichen Maßstab ermöglichen würden. Da X aber durch die Umwelt von der Vorstellung geprägt ist, dass Statussymbole wie hochpreisige Autos, Uhren und so weiter als Profilierungsmerkmal wichtig sind, entscheidet er sich zu einer kriminellen Karriere.

Während dieser Ansatz wie schon zuvor angesprochen soziologisch argumentiert, rücken psychologische Erklärungsversuche die individuellen Lebensgeschichten in den Mittelpunkt. Gemein ist ihnen also die Vorstellung, dass die Umwelt eine wichtige Rolle spielt – allerdings rückt die Soziologie dabei eher strukturelle, die Psychologie eher individuelle Aspekte in den Vordergrund.

Ein klassisches Erklärungsmuster war lange Zeit, dass die Entscheidung für oder gegen das Begehen einer kriminellen Tat mit einer Abwägung stattfinden würde. Dabei fände die Entscheidung dann zwischen der Gesetzesübertretung samt der möglichen Konsequenzen und den erhofften Vorteilen der Tat statt. Allerdings erfolgte die Rückkehr von dieser Theorie basierend auf der Problematik, dass die rationalistischen Erklärungsmuster insbesondere etwa bei Sexualstraftaten oder den inhärenten Risiken der Drogenkriminalität nicht zur Erklärung der Beweggründe ausreichen.

Die Resozialisierungs-Orientierung heutiger Strafprozesse ist im Übrigen eine direkte Folge der sozio- und psychologischen Erklärungsversuche.

Der Kampf gegen die Kriminalität

Der Kampf gegen die Kriminalität erfolgt heute sowohl auf politischen als auch auf gesamtgesellschaftlichen Gebieten.

Besonders brisant ist für den Bereich der Inneren Sicherheit die in Bezug auf den Terrorismus entstandene Debatte, ob ein Mehr an Sicherheitskameras das Risiko von Anschlägen vermindern könnte. Während Befürworter eine vor allem präventive Rolle der stärkeren Überwachung von öffentlichen Plätzen ins Feld führen, argumentieren Gegner mit der Angst vor einem Überwachungsstaat – in einem liberalen Rechtsstaat wie Deutschland also eine Debatte mit starkem Zündstoff.

Allgemeine Kriminalitätsprävention hingegen ist ein sehr weites Feld. Schließlich kann zu ihr mehr oder minder beinahe jedes politische Feld einbezogen werden, allen voran die Sozialpolitik, die dank besserer Bedingungen die gesellschaftliche Teilhabe für alle Menschen ermöglicht. Im engeren Sinne unterscheidet das Bundesministerium des Innern hier in drei verschiedene Arten der Prävention.

So erhofft man sich, durch die Wertevermittlung und das Lehren von gewaltloser Konfliktlösung möglichst viele Personen zu erreichen und somit vor der Hinwendung zur Kriminalität zu immunisieren.

Die sogenannte sekundäre Prävention versucht eher, Tatgelegenheiten hin zum Scheitern zu verändern, so etwa Alarmanlagen oder Wegfahrsperren. Zur tertiären Prävention gehört dann der Versuch, die erneute Straffälligkeit von Tätern zu verhindern – so etwa die Berufsausbildung im Vollzug.

Fazit

Bei der Betrachtung des Kriminalitätsproblems sind also viele Faktoren zu berücksichtigen, die eine Einkleidung in kurze Slogans genauso verbieten wie einfache Antworten. Klar ist allerdings, dass es sich bei Kriminalitätsbekämpfung und –prävention um zwei der wichtigsten Aufgabengebiete einer Gesellschaft handelt.

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