Regional, international? – Reisewelt im Wandel

Globalisierung, Digitalisierung, multinationale Konflikte oder innovative und nachhaltige Konzepte: Vielfältige Einflüsse verändern die Reisewelt derzeit so stark wie selten zuvor. Dies eröffnet neue Möglichkeiten für die Verbraucher, aber auch die Länder und Regionen müssen sich mit dem Umbruch beschäftigen um den Anschluss nicht zu verlieren.

Lieber im eigenen Land Urlauben oder in die weite Welt verreisen? Egal wie hier die Entscheidung ausfällt, beide Optionen bieten viel Neues. Der nächste Trip kann ganz unkompliziert übers Smartphone gebucht werden. Dabei ist inzwischen viel Spielraum geschaffen worden, die Reise ganz individuell auf die eigenen Wünsche und Vorstellungen anzupassen.

Chancen und Risiken auf dem Urlaubsmarkt

Die Welt rückt enger zusammen. Weit entfernte Ziele sind mit dem Flugzeug in wenigen Stunden erreichbar. Viele bisher unbekanntere Länder öffnen sich dem Tourismus und machen ihre landschaftlichen oder kulturellen Schätze zugänglich. Etablierte Reiseanbieter bekommen Konkurrenz von einer wachsenden Zahl neuer Unternehmen, die sich auf bestimmte Nischen spezialisieren.

Vor allem im regionalen Bereich bieten sich hier vielfältige Chancen für die lokale Wirtschaft. Durch innovative Onlineportale ist es beispielsweise für Privatleute einfacher geworden, Ferienwohnungen oder Übernachtungsangebote einem größeren Interessenskreis zugänglich zu machen.

Niedersachsen befindet sich hier auf einem guten Weg. Seit einiger Zeit können wachsende Besucherzahlen verbucht werden. Sowohl in ländlichen Regionen als auch den zentralen Metropolen des Landes sind die Übernachtungszahlen stetig gestiegen. Maßnahmen zum Ausbau der Infrastruktur sowie privatwirtschaftliche Initiativen haben hier dafür gesorgt, dass sich der Markt den neuen Anforderungen öffnet und eine hohe Qualität erreicht wird. Verbesserungsbedarf sieht der Tourismusverband Niedersachsen e.V. noch bei den Angeboten für ausländische Touristen. Einzelne Länder wie beispielsweise Rheinland-Pfalz versuchen durch die Einführung einer Tourismusabgabe vom Boom der Reisen im eigenen Land zu profitieren.

Eher den europäischen und internationalen Tourismus beschäftigen hingegen Themen wie Terrorgefahr oder politische Konflikte und kriegerische Auseinandersetzungen. Um mit diesen Herausforderungen umzugehen sind mehr als nur verstärkte Sicherheitsbemühungen und großangelegte Kampagnen notwendig.

Eine Umfrage der BAT-Stiftung für Zukunftsfragen hat untersucht, wie die Deutschen ihren Urlaub verbringen und welche Trends die Branche aufzeigt:

  • Zunahme der Reisehäufigkeit und Reisedauer
  • Zunahme der Reisen innerhalb Deutschlands
  • Fernreisen weiterhin beliebt, jedoch nur von einem kleineren Kreis bezahlbar
  • Reiseausgaben so hoch wie nie

Die Sicherheit auf Reisen spielt ebenfalls eine große Rolle. Ziele wie die Länder an der nordafrikanischen Küste haben seit den politischen Unruhen deutlich an Besuchern verloren. Für die Auswahl des Urlaubsziels spielt die Situation vor Ort für die meisten eine entscheidende Rolle.

Kurztrip oder Fernreise

Zwei ganz unterschiedliche Trends sind auf dem Urlaubsmarkt zu beobachten. Einerseits wird der Jahresurlaub viel häufiger in mehrere kurze Etappen aufgeteilt. In einem verlängerten Wochenende wird dann im Rahmen von Kurztrips die (näherliegende) Welt entdeckt.

Die steigenden Zahlen in vielen Regionen Deutschlands zeigen, dass ein größeres Interesse besteht, den Urlaub im eigenen Land zu verbringen. Vor allem günstige Flugangebote tragen zudem dazu bei, dass sich Städtereisen im Bereich der Kurzurlaube einen wichtigen Platz auf dem Markt erkämpft haben. Beides trägt unter anderem dazu bei dass die verschiedenen Destinationen auch außerhalb der Saison von Übernachtungsgästen und Besuchern der Gastronomie oder der Ausflugsziele profitieren können. Um hier wettbewerbsfähig zu bleiben ist es wichtig, die Infrastruktur entsprechend anzupassen und auch außerhalb der Sommermonate oder Hauptferienzeit genügend Personal zur Verfügung zu haben.   

Fernreisen sind ebenfalls weiterhin wichtig, auch wenn sie durch den deutlich höheren Preis nur für einen eingeschränkteren Personenkreis möglich sind. Rund elf Prozent der Deutschen machen Urlaub in weiter entfernten Regionen. Vor allem Ziele in Nordamerika konnten hier an Beliebtheit gewinnen. Asiatische Länder waren zuletzt hingegen weniger nachgefragt.

Digitaler Wandel in der Tourismusbranche

Rund ein Drittel der Deutschen hatte sich laut der BAT-Studie zu Beginn dieses Jahres noch nicht entschieden, wo es im Urlaub hingehen soll. Zahlreiche Online-Portale wie etwa von e-mondo bieten vielfältige Filtermöglichkeiten, um das passende Angebot zu finden. So lassen sich beispielsweise Reisen zu bestimmten Themen oder speziellen Regionen anzeigen. Häufig finden sich auch weiterführende Informationen zu besonderen Highlights und Sehenswürdigkeiten.

Der digitale Wandel zeigt sich hier am deutlichsten bei den Buchungszahlen. Laut der Forschungsgemeinschaft Urlaub und Reisen e.V. (FUR) haben die Buchungen über Online-Portale in den letzten zehn Jahren um 24 Prozent zugenommen. Für zwei Fünftel aller Reisen wird inzwischen dieser Weg gewählt.

Vor allem für kürzere Reisen bieten die digitalen Möglichkeiten oft Vorteile. Die einfachen Vergleichsmöglichkeiten zeigen im Handumdrehen das günstigste Angebot an. Zudem lohnt es sich auch bei Fernreisen, einzelne Module wie Flug und Unterkunft separat zu buchen. Dann wird auch die Traumreise in die Südsee etwas erschwinglicher. 

Vor allem während der Reise werden unsere digitalen Begleiter wie Smartphone oder Tablet immer wichtiger. Sie liefern uns über kostenloses WI-FI aktuelle Informationen etwa zum lokalen Busfahrplan. Zudem werden immer mehr Zusatzangebote wie Ausflüge oder Hotelupgrades online vor Ort gebucht. Nebenbei ist es einfacher – den günstigeren Roaminggebühren sei Dank – auch im Urlaub in Zukunft mit unseren daheimgebliebenen Liebsten Kontakt zu halten. 

Individualisierung im Trend

Als Urlauber sind wir vor allem eines geworden: anspruchsvoller. „Kompromisse will im Urlaub kaum jemand machen. Ganz im Gegenteil: Er soll möglichst perfekt sein“, so Ulrich Reinhardt, Wissenschaftlicher Leiter der BAT-Stiftung. Das Angebot wird immer riesiger und dadurch kann sich jeder genau das passende für sich aussuchen. Die folgenden Kriterien sind den Deutschen dabei besonders wichtig:

  • Preis-Leistungs-Verhältnis
  • Schöne Natur; warmes Wetter und Sonne; gesundes Klima
  • Gasfreundschaft; freundliches Personal; Atmosphäre und Gemütlichkeit
  • Ruhe und Erholung; Harmonie mit dem Partner, der Familie oder Freunden
  • Leckeres Essen
  • Unkomplizierte Anreise

Viele Unternehmen bieten inzwischen mehr als nur den Transport und die Unterkunft. Oftmals kann zwischen zahlreichen Themenpaketen oder zusätzlichen Aktionen, Ausflügen oder verschiedenen Komfortvarianten gewählt werden. Somit wird jeder Urlaub zu etwas ganz Besonderem und gewinnt eine sehr individuelle Note. Dafür sind viele dann auch bereit etwas mehr auszugeben.  

Egal wo die persönlichen Vorlieben liegen, es gibt für jeden eine passende Reise dazu. Hat sich die Branche längere Zeit vor allem im Bereich Wellness und Gesundheit ausgebaut, zeigt sich nun eine stärkere Nachfrage nach Abenteuer- und Outdoor-Reisen. Hierbei wird auf umfangreiche und gute Organisation Wert gelegt. Mit kompetenter Reiseleitung, minimiertem Risiko und meist auch komfortablen Unterkünften ist es dann möglich entlegene Orte zu erkunden oder besondere sportliche Herausforderungen zu meistern.    

Luxus oder Nachhaltigkeit

Im Bereich der durchorganisierten Komplettangebote spielt der individuelle Luxus ebenfalls eine wichtige Rolle. Allerdings sind die Vorstellungen dabei sehr verschieden. Für den einen bedeutet Luxus, ein besonderes und exotisches Ziel kennenlernen zu dürfen. Auch in den entlegensten Gebieten wollen die wenigsten dabei auf einen gewissen Komfort wie etwa angemessene Unterkünfte, eine bestimmte Auswahl an Speisen oder auch das unentbehrlichen W-LAN verzichten.

Andere verstehen darunter vielmehr ein großes Maß an Privatsphäre genießen zu können. Abseits der großen Touristenmassen kann der Sonnenuntergang am menschenleeren Strand oder ein eigener Pool für das gewisse Extra sorgen. Allerdings sind solche Reisen häufig nicht nur mit einem höheren Kostenaufwand verbunden, auch die Auswirkungen auf die Umwelt nehmen dabei zu.

Der gegensätzliche Trend zeigt sich beim Anstieg von besonders nachhaltigen Urlaubsangeboten. Vielen ist es inzwischen wichtig geworden auch in der schönsten Zeit des Jahres den persönlichen ökologischen Fußabdruck so klein wie möglich zu halten. Spezialisierte Reiseunternehmen passen ihr Portfolio hier gezielt auf solche Anforderungen an.

Von der Wahl des Verkehrsmittels über die passende Unterkunft und den Aktivitäten vor Ort bieten sich zahlreiche Möglichkeiten, den Urlaub nachhaltig und zudem auch sozialverträglich zu gestalten. Auf diese Weise können die Regionen und die lokale Bevölkerung vor Ort ebenfalls profitieren. Vor allem neu entdeckte Reiseziele, die sich gerade erst auf dem Markt etablieren, können so einen umweltverträglichen Tourismus aufbauen.    

Bild: Fotolia, © cristina_conti

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