Suchterkrankungen in der Familie – Richtig damit umgehen

Viele Millionen Menschen in Deutschland leiden unter einer Sucht, von der sie alleine nicht mehr loskommen.

Damit ist das Thema Sucht eine bundesweite Angelegenheit und beschränkt sich nicht nur auf bestimmte Randgruppen in der Gesellschaft.

Für die Freunde, Angehörigen, Partner und Kinder der Betroffenen ist es nicht leicht, mit dem Suchtproblem zurechtzukommen, sodass soziale Kontakte und Beziehungen dadurch oftmals in die Brüche gehen. Wer jedoch weiß, wie man mit einem Suchtkranken umgeht und welches Verhalten das richtige ist, kann den Betroffenen bei seiner Heilung unterstützen.

Wenn Genuss zur Sucht wird – Die Symptome erkennen

Ob rauchen, Alkohol trinken, im Internet surfen oder Computerspiele spielen – es gibt viele verschiedene Wege, nach einer Tätigkeit oder einem bestimmten Mittel süchtig zu werden. Woran man erkennt, dass jemand an einer Suchterkrankung leidet:

·      Unfähigkeit, von sich aus mit dem Konsum aufzuhören und ein immerwährendes Verlangen nach dem Suchtmittel

·      Verlust der Kontrolle über den Konsum (Zeitpunkt, Menge bzw. Dauer)

·      Verlust an Interessen

·      Stimmungsschwankungen

·      Gleichgültigkeit

·      Beschönigung des Suchtmittels bzw. des abhängigen Verhaltens

·      Verheimlichung des Konsums

·      Entzugserscheinungen beim Versuch, dem Suchtmittel zu widerstehen

·      Körperliche Veränderungen wie Schlafstörungen, Konzentrationsschwierigkeiten, Herzrasen oder Krampfanfälle

·      Rückzug aus dem sozialen Leben

Die Grenzen zwischen einem normalen und einem abhängigen Verhalten können jedoch fließend sein, deswegen ist eine Sucht nicht immer gleich als solche zu erkennen. Im Einzelnen fallen die Symptome, die Ursachen und der Verlauf der Sucht unterschiedlich aus.

Bei Glücksspielsüchtigen hat der Verlauf drei Phasen: Die Gewinnphase, die Verlustphase und die Verzweiflungsphase. Bei Alkoholkranken dagegen gibt es vier Phasen: die symptomatische Phase, die Vorläufer-Phase, die kritische Phase sowie die chronische Phase. Wichtig ist es, das Verhalten des Betroffenen zu beobachten und ihn mit den Beobachtungen zu konfrontieren. 

Unterstützung von Fachkräften und in der Therapie

Der einzig wirksame Weg aus einer Sucht heraus erfolgt über professionelle Hilfe von Fachkräften, die mit dem Betroffenen eine Therapie durchführen, die speziell an sein Suchtverhalten angepasst ist. Eine wichtige Voraussetzung für diese Maßnahme ist allerdings, dass der Betroffene auch bereit ist für eine Therapie.

Denn auch wenn es nötig und der einzige Ausweg ist: man kann niemanden dazu zwingen, sich in die Hände von Fachkräften zu begeben, wenn er das nicht möchte. Wer gegen seinen Willen zu einer Therapie geschleppt wird, wird nur abblocken. Der Erkrankte muss selbst erkennen, dass es so nicht weiter geht und dass er etwas an seinem Suchtverhalten ändern muss.

Dem Betroffenen zur Seite stehen

Bei Suchtproblemen in der Familie ist es für den Suchtkranken ganz wichtig, dass er in seiner schweren Lebensphase nicht alleine gelassen wird und Unterstützung erfährt, auch bei einem Rückfall. Daher sollten Angehörige und Partner Mitgefühl zeigen und versuchen, sich in die Situation des anderen hineinzuversetzen.

Es ist außerdem wichtig, sich nach dem Befinden des Betroffenen zu erkundigen, ihm zuzuhören und ihn seine Gedanken und Gefühle ausdrücken lassen. Das kann dabei helfen, die Gründe für die Sucht zu verstehen und besser damit umzugehen. Zudem stärkt das das Vertrauen des Suchtkranken gegenüber seinem Umfeld.

Dem Betroffenen sollte aber auch deutlich gesagt werden, dass man ihn nur unterstützt, wenn er die Hilfe auch annimmt und sie erwünscht ist. Denn jemandem helfen wollen, der keine Hilfe möchte oder die Bemühungen nicht anerkennt, ist auf Dauer zermürbend und bringt nicht weiter.

Richtige Verhaltensweisen – Der Weg aus der Co-Abhängigkeit

Angehörige und Partner suchtkranker Menschen leiden oft jahrelang mehr unter der Erkrankung als die Betroffenen selbst. Ihr Leben wird stark durch die Sucht des anderen beeinflusst und sie haben mit starken Belastungen zu kämpfen: Sie sehen sich mit einer ständigen Überforderung konfrontiert, da Haushalt, Kindererziehung und teils auch das Einkommen an ihnen allein hängenbleibt. Der Suchtkranke selbst kann meist nur sehr wenig dazu beitragen. Hinzu kommen die Sorgen um den Betroffenen sowie finanzielle Probleme und Vereinsamung.

Vielen Angehörigen und Partnern sind bemüht, sich der Außenwelt gegenüber nichts anmerken zu lassen und die Suchterkrankung wie auch ihre eigenen Probleme möglichst zu vertuschen. Sie begeben sich in die Co-Abhängigkeit sie wollen dem Betroffenen helfen, machen sich aber selbst von dessen Verhalten abhängig. Mit den folgenden Verhaltensweisen kann man dem entgegenwirken.

1.    Die Schuld nicht bei sich suchen

Wer einen nahen Angehörigen oder einen Partner mit einem schweren Suchtproblem hat, neigt oft dazu, die Schuld dafür bei sich selbst zu suchen. Das stellt eine zusätzliche Belastung für die eh schon schwierige Situation dar und kann im schlimmsten Fall zu ernsthaften Problemen führen. Daher ist es sehr wichtig, sich als Angehörigem, Partner oder Freund des Suchtkranken keine Selbstvorwürfe zu machen – einzig der Betroffene ist für sein Verhalten verantwortlich. Niemand sonst kann dessen Verhalten kontrollieren oder gar verändern.

Daher ist es auch nicht ratsam, dem Erkrankten das Suchtmittel – womöglich gewaltsam – zu entziehen oder ihn an der Ausübung seiner Sucht hindern zu wollen. Das führt nur zu Streitereien, hilft dem Betroffenen aber nicht weiter, sondern wird ihn eher noch stärker dazu veranlassen, seine Suchtmittel zu verstecken und heimlich zu konsumieren.

2.    Keine Vorwürfe machen

Dem Suchtkranken Vorwürfe für sein Verhalten zu machen, führt ebenfalls nur zu unnötigen Streitereien, die nicht weiterhelfen, sondern nur die Beziehung zu den Betroffenen negativ beeinflussen. Zudem machen sich Suchtkranke selbst viele Vorwürfe, selbst wenn sie das nicht unbedingt direkt mitteilen.

3.    Sich nicht an Versprechungen klammern

Suchtkranke gehen ihrer Sucht nach, weil sie nicht anders können. Und selbst wenn sie noch so glaubhaft versprechen, dass sie ab sofort von ihrem Suchtmittel ablassen und sich ändern werden, sind sie aufgrund der Erkrankung nicht in der Lage, sich alleine und ohne professionelle Hilfe von ihrer Sucht zu befreien.

Daher sollen sich Angehörige und Partner von Betroffenen nicht an diese Versprechungen und guten Vorsätze klammern und daraus ernsthafte Hoffnung auf eine baldige Verbesserung der Situation schöpfen, so verlockend der Gedanke auch sein mag. Andernfalls werden sie nur immer wieder mit Enttäuschungen und Kränkungen konfrontiert, die der Beziehung zum Betroffenen und dem eigenen Wohlbefinden schaden.

4.    Grenzen deutlich machen

Zum Schutz der eigenen Person sowie des Betroffenen ist es sehr wichtig, die persönlichen Grenzen zu reflektieren und dem anderen gegenüber zu kommunizieren. So sollte dem Suchtkranken klargemacht werden, dass man ihn bei allem unterstützt, was ihm dabei hilft, von der Sucht loszukommen und dass man aber keinerlei Dinge tun wird, die ihm beim Ausleben seiner Sucht helfen.

Zudem sollte der Betroffene wissen, welches Verhalten Angehörige und der Partner dulden und welches nicht und mit welchen Konsequenzen er rechnen muss, wenn sich an der Situation nichts ändert.

5.    Keine Verheimlichungen

Für den Suchtkranken zu lügen und sein Verhalten vor anderen geheim zu halten, hilft ihm nicht dabei, sein Problem in den Griff zu bekommen, es trägt nur dazu bei, dass er seiner Sucht weiter unter einem Deckmantel nachgehen kann.

Daher sollten Partner und Angehörige nicht für den Betroffenen lügen und ihn in dieser Hinsicht nicht bei der Bewältigung seines Alltags unterstützen. Dazu gehört es, dem Betroffenen kein Geld zu leihen, das er für Drogen, Alkohol, Onlinespiele oder dergleichen ausgeben könnte.

Somit ist er gezwungen, die Folgen seines Verhaltens zu ertragen oder daraus Konsequenzen zu ziehen. Das kann bedeuten, dass er sich dem Arbeitgeber und anderen Personen gegenüber Entschuldigungen und Erklärungen für sein Verhalten ausdenken muss.

6.    Sich selbst nicht vergessen

Selbst wenn die Sucht das Leben der Angehörigen oder des Partners stark beeinflusst, bedeutet das nicht, dass sie kein eigenes Leben mehr führen dürfen.

Sie haben ein Recht darauf, glücklich zu sein und sollten sich und ihre Bedürfnisse nicht hintenanstellen, sondern diese ausleben. Das kann der Besuch einer Selbsthilfegruppe sein, ein Treffen mit Freunden oder andere Dinge, die guttun und Spaß machen.

Bild: fotolia.com © Photographee.eu # 115800304

Service-Check

Kontakt

Studio Hotline:
01805 / 333 112*

Studio-E-Mail:
studionospam@radio21.de

*(0,14€/Min. aus dem dt. Festnetz. Mobilfunkhöchstpreis 0,42€/Min.)

Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.