Bausparen in der heutigen Zeit – was ist zu beachten?

Der Traum von den eigenen vier Wänden ist heute beliebter denn je.

Dies mag auch an den äußerst niedrigen Zinsen liegen, die aktuell für Baufinanzierungen berechnet werden. Natürlich stellt sich dabei die Frage, ob die Vorbereitung eines solchen Finanzierungsvorhabens in Form eines Bausparvertrags heute überhaupt noch zeitgemäß ist. Wo liegen die Vorteile eines Bausparvertrags und wie funktioniert das Bausparen eigentlich? In diesem Artikel sollen die wichtigsten Fragen beantwortet werden und darüber hinaus erhalten Interessierte wertvolle Tipps, was sie bei ihrem Bausparvertrag

Bausparverträge – ein Relikt aus alten Zeiten?

Ein Bausparvertrag ist fast schon ein Markenzeichen deutscher Spießigkeit. Als planbares Sparprodukt, bei dem alle Parameter bereits im Vorhinein feststehen, erfreut er sich jedoch auch heute noch einer recht großen Beliebtheit. Laut einer Statistik der Bundesbank lagen die eingezahlten Bausparbeträge nämlich im Juli 2017 mit einem Gesamtwert von 2,053 Milliarden Euro nominell betrachtet nicht so viel niedriger als im Juli 2003 (2,277 Milliarden Euro). Somit gibt es also durchaus Merkmale, die einen Bausparvertrag auch in Zeiten niedriger Bauzinsen interessant machen. Um diese zu verstehen, ist es wichtig, sich den Bausparvertrag generell anzuschauen.

Wie ist ein Bausparvertrag aufgebaut?

Bei einem Bausparvertrag handelt es sich um eine Kombination aus zwei verschiedenen Produkten:

1.    Sparvertrag mit bestimmter Zielmarke

Ein Bausparvertrag ist zunächst ein ganz normaler Sparplan, in den der Anleger jeden Monat, jedes Vierteljahr oder auch einmalig eine bestimmte Summe (Sparrate) einzahlt. Die Besonderheit liegt darin, dass schon Beginn eine Zielmarke festgelegt wird, die mit den Sparraten erreicht werden soll. Diese Zielmarke liegt zwischen 20 und 50% der vereinbarten Bausparsumme.

2.    Immobilienfinanzierung

Wird der Bausparvertrag zuteilungsreif (angestrebte Mindestsparsumme und Bewertungszahl sind erreicht), hat der Anleger Anspruch auf ein Bauspardarlehen. Dessen Zinssatz wird allerdings bereits zu Beginn des Bausparvertrags festgelegt. Die Zuteilungsreife wird in vielen nach 6-7 Jahren erreicht, da die Bausparkassen die Sparrate entsprechend an die Bausparsumme anpassen.

Was macht einen Bausparvertrag auch heute noch interessant?

Im Normalfall bieten Bausparverträge nur geringe Renditen, die noch unter denen für herkömmliche Tagesgeldkonten liegen. Doch der interessantere Punkt ist hierbei ganz klar der Rechtsanspruch auf das Bauspardarlehen. Erfüllt der Bausparer alle Voraussetzungen für die Zuteilung eines Bausparvertrags, kann er einen Antrag auf das Bauspardarlehen stellen. Dieses wird bei ausreichender Bonität als Annuitätendarlehen gewährt und bietet einige Vorzüge:

1.    Fixe Zinsen

Wer den Bausparvertrag in einer Niedrigzinsphase abgeschlossen hat, kann zum Zeitpunkt der Kreditaufnahme unabhängig von der jeweiligen aktuellen Zinslage den vereinbarten Zinssatz in Anspruch nehmen. Sind die Zinsen seither gestiegen, besteht immer noch die Möglichkeit, auf das Bauspardarlehen zu verzichten.

2.    Flexible Rückzahlung

Auch wenn es eine vereinbarte Laufzeit mit zunächst festen Raten für das Bauspardarlehen gibt, können jederzeit Sondertilgungen in beliebiger Höhe geleistet werden. Eine Vorfälligkeitsentschädigung kann die Bausparkasse dafür nicht berechnen.

3.    Keine oder nachrangige Eintragung ins Grundbuch

Wer ein Bauspardarlehen bis zu einer Summe von 30.000 Euro in Anspruch nehmen möchte kann dieses als Blankodarlehen nutzen und muss es nicht ins Grundbuch der Immobilie eintragen lassen. Höhere Darlehen werden zwar ins Grundbuch eingetragen, können jedoch nachrangig besichert werden. Somit sind die begehrten vorderen Plätze im Grundbuch weiterhin frei für die hauptsächliche Baufinanzierung.

Staatliche Förderungen steigern die tatsächliche Rendite

Auch wenn die Zinsen für einen Bausparvertrag in der Ansparphase eher niedrig ausfallen, können Anleger mit staatlichen Förderungen ihre effektive Rendite deutlich steigern. In diesem Zusammenhang existieren verschiedene Möglichkeiten:

1.    Wohnungsbauprämie

Die Wohnungsbauprämie ist eine staatliche Förderung, die direkt auf das Bausparen abzielt. Unter gewissen Voraussetzungen steuert der Staat 8,8% der eingezahlten Sparbeiträge zu einem Bausparvertrag bei. Dies ist jedoch lediglich möglich, wenn:

-       Bei Singles das zu versteuernde Einkommen 25.600 Euro pro Jahr nicht übertrifft

-       Bei Verheirateten das zu versteuernde Einkommen den Betrag von 51.200 Euro nicht übersteigt

-       Das Geld für wohnwirtschaftliche Zwecke eingesetzt wird. Ansonsten fordert der Staat die Prämie später nämlich wieder zurück.

Zusätzlich ist die Förderung auf jährliche Sparbeiträge von 512 Euro (Verheiratete: 1.024 Euro) begrenzt. Somit werden maximal 45,06 Euro (90,11 Euro bei Eheleuten) als Zuschuss gewährt. Als weitere Voraussetzung müssen mindestens 50 Euro pro Jahr angespart werden.

Tipp: Bausparer unter 25 Jahren haben die Möglichkeit, nach einer Sperrfrist von 7 Jahren das Guthaben inklusive der Wohnungsbauprämie auch für andere Zwecke zu nutzen. Somit könnte ein Bausparvertrag mit dem Fokus auf den Sparzinsen durchaus eine interessante Anlagemöglichkeit sein.

2.    Arbeitnehmersparzulage

Die Arbeitnehmersparzulage ist eine weitere staatliche Förderung, die Arbeitnehmer im Zuge eines Bausparvertrags verwenden können. Zu diesem Zweck muss der Bausparvertrag jedoch im Zuge der Vermögenswirksamen Leistungen (VL) durch den Arbeitgeber für den Arbeitnehmer abgeschlossen werden. Dies passiert im Normalfall vor allem dann, wenn der Arbeitgeber etwas zu den vermögenswirksamen Leistungen beisteuert. Tut er dies nicht, kann ein solcher Vertrag jedoch auch komplett aus dem Gehalt des Arbeitnehmers gezahlt werden. Die Arbeitnehmersparzulage fällt dabei folgendermaßen aus:

-       9% auf die eingezahlten Beträge (maximal sind 470 Euro förderfähig)

Um die Förderung in Anspruch zu nehmen, müssen jedoch noch Voraussetzungen erfüllt werden:

-       Zu versteuerndes Einkommen von maximal 17.900 Euro pro Jahr bei Alleinstehenden.

-       Zu versteuerndes Einkommen von maximal 35.800 Euro bei Verheirateten (Zusammenveranlagung)

-       Nutzung der vermögenswirksamen Leistungen für wohnwirtschaftliche Zwecke

Tipp: Zusätzlich kann die Arbeitnehmersparzulage auch noch einmal für den Kauf von Aktienfonds genutzt werden. Hier gibt es parallel bis zu 20% Förderung auf Einzahlungen von bis zu 400 Euro pro Jahr.   

Fazit

Das Bausparen hat sein leicht verstaubtes Image zu Unrecht, denn es ist auch heute noch eine interessante Form des Vermögensaufbaus. Dies gilt allerdings in den meisten Fällen nur, wenn die angesparten Beträge auch tatsächlich für wohnwirtschaftliche Zwecke genutzt werden. Seit 2009 muss die staatliche Förderung als Rendite-Booster nämlich zurückgezahlt werden, wenn das Guthaben aus einem Bausparvertrag anderweitig verwendet wird. Eine Ausnahme bilden hierbei nur Bausparer, die das 25. Lebensjahr noch nicht vollendet haben. Wer den Bausparvertrag jedoch später als ergänzendes Darlehen nutzen möchte, kann hier je nach Einzelfall durchaus attraktive Lösungen finden.

Zur Infografik siehe Website der Bausparkasse Mainz AG

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