Sticky Fingers

Das Meisterwerk, das die Stones aus einem Albtraum erlöste...

Es ist ein Album, das inmitten eines bedrohlich brodelnden Sumpfes aus Tragödien, Sucht, und Angst vor dem finanziellen Ruin geboren wurde. Und doch ist "Sticky Fingers" die vielleicht beste Platte der Rolling Stones.

Jetzt wird das im April 1971 erschienene Album mit dem legendären Jeans-Cover von Andy Warhol (samt funktionstüchtigem Reißverschluss) in verschiedenen Deluxe-Versionen neu aufgelegt.

Als die Stones am 4. Dezember 1969 das Muscle Shoals Sound Studio in Alabama betraten, um mit "Brown Sugar", "Wild Horses" und "You Gotta Move" die ersten drei Songs für ihr neuntes Album einzuspielen, war die Welt noch in Ordnung. 48 Stunden später war alles anders.

Ein Gratis-Konzert der Briten auf dem Altamont Speedway in Kalifornien endete in einer Tragödie: ein junger Schwarzer, Meredith Hunter, wurde direkt vor der Bühne von einem Mitglied der als Ordner engagierten "Hells Angels" erstochen. Der Auftritt versank in Gewalt und Zerstörung, die Stones blieben ins Mark erschüttert zurück. Stones drohte das Gefängnis Fatal auch die Nachrichten, die die Herren Jagger, Richards, Wyman, Watts und Taylor in den folgenden Monaten erhielten: die Band war pleite! Ihr windiger Manager Allen Klein hatte sich nicht nur heimlich die lukrativen Rechte an früheren Stones-LPs gesichert, sondern auch "vergessen", Steuern zu zahlen. Der Band drohte das Gefängnis. Zu allem Überfluss kündigte Decca den Plattenvertrag mit den Stones. Der zotige "Cocksucker Blues", den die Truppe als Single vorlegte, hatte der Chefetage die Zornes- und Schamesröte ins Gesicht getrieben.

"Sticky Fingers" war daher ein entscheidendes, die zukünftige Karriere der Rolling Stones definierendes Album. Einen Flop hätte das fragile Gefüge um den ob der finanziellen Turbulenzen angespannten Mick Jagger und den schwer heroinabhängigen Keith Richards ("Keith bestand zu 60 Prozent Musik und 40 Prozent Drogen", so ein anwesender Tontechniker) wohl nicht vertragen. Ein solcher blieb den Stones erspart – und das völlig zu Recht.

Denn die weltweit 3,5 Millionen mal verkaufte "Sticky Fingers"-LP markiert nicht nur den ersten Auftritt des Zungen-Logos, sondern zeigt auch das Quintett auf dem Zenit seines Könnens. Tief in der Tradition von Blues, Country, Folk und frühen Rock’n’Roll verwurzelt, zeugen Songs wie "Dead Flowers", "Sister Morphine", "Moonlight Mile" oder "Wild Horses" von der kreativen Potenz einer Band, die sich auch von externen Störfeuern nicht ablenken ließ.
Gigantischen Anteil an den überragenden Songs trug der neue Gitarrist Mick Taylor, der nicht nur Brian Jones ersetzte, sondern auch den leidlich indisponierten Richards.
Mit seiner introvertierten Art passte das 21-jährige Wunderkind zwar so gar nicht in den irren Rock’n’Roll-Zirkus der Truppe hinein, sein bluesiger, melodiöser und fließender Stil hob den Stones-Sound aber auf ein völlig neues Level.

Kein Wunder, dass die Klassiker der Taylor-Ära (‘69–’74) bis heute das Herzstück jedes Rolling-Stones-Konzerts bilden. Fans seien die auf der "Sticky Fingers"-Neuauflage beigelegten Demoversionen (insbesondere von "Can’t You Hear Me Knocking" und "Bitch") ans Herz gelegt. So rau, so direkt, so entspannt und doch konzentriert klangen die Rolling Stones nie zuvor in ihrer Karriere. Und vielleicht auch nie wieder danach.

NEU AUFGELEGT

The Rolling Stones feiern „Sticky Fingers“ mit einer Super-Deluxe- und einer Deluxe-Box. Beide enthalten das Originalalbum (remastert) sowie eine Bonus-Disc mit alternativen Versionen sowie eine DVD mit einem elfminütigen Video eines Auftritts im Marquee Club von 1971. Dazu gibt es fünf Fotos und ein Buch. Die Super-Deluxe bietet außerdem u. a. einen Live-Mitschnitt aus Leeds und die Vinyl-Single „Brown Sugar“. Vinyl-Fans können auf eine einfache Version und auf eine Doppel-LP (mit etlichen Bonustracks) zurückgreifen.

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