CD Check: Steve Hackett - Genesis Revisited II

Steve Hackett wagt sich erneut an die Großtaten der Prog Heroes.

"Ich möchte die Mona Lisa nachmalen" ...
Nein, das sagte nicht Steve Hackett über Genesis Revisited II, sondern das sagte Phil Collins vor zwei Jahren, als er mit Going Back ein Quasi-Kunstwerk erschaffen hatte. 29 Motown-Klassiker, aufwändig neu eingespielt - aber es sollte klingen, wie damals, als der Motown die Charts dominierte.
Collins wollte keine Neuinterpretationen, er wollte die Geschichte wiederbeleben. Ex-Genesis-Kollege Peter Gabriel tat etwas früher im gleichen Jahr das genaue Gegenteil.
Mit Scratch My Back kasteite er sich selbst, in dem er sich mit dem "no drums, no guitars, only orchestra"-Konzept möglichst weit von den Originalen entfernte.

Steve Hackett wiederum hatte 1996 mit Genesis Revisited irgendwo dazwischen gelegen. Manches klang eher vertraut, manches war durch und durch eigenwillig neu interpretiert.
Und anders als Phil Collins und Peter Gabriel mit den zuvor genannten Werken hatte Hackett eine Rückschau auf die heilige Kuh gewagt: die frühen Genesis-Jahre. Und das hat für Genesis-Fans sicher noch eine ganz andere Bedeutung, als einer generellen Stilrichtung zu huldigen oder ein alternatives Interpretationskonzept zu verfolgen.
Hackett hatte dafür aber auch Kritik einstecken müssen.
Zu sehr sei er von den Originalen abgewichen, bei manchen Songs sprachen einige Fans sogar von Kastration der besten Passagen - exemplarisch sei Firth of Fifth genannt, in dem er das Banks-Solo faktisch abgeschafft hatte.
Aber gerade diese Songs waren es, die Genesis Revisited streitbar und damit interessant machten.
Mehr als 15 Jahre später kommt er nun mit einem Nachfolger. Im Vergleich zum Erstling versucht er sich dieses Mal an deutlich mehr Songs. Er hat wieder eigene Stücke in der Auswahl, aber nur solche, die seiner Darstellung nach direkt von Genesis beeinflusst oder inspiriert wurden.
Er hat wieder eine illustre Gastmusikerliste versammelt und als Sänger taucht Steve Hackett dieses Mal bei sehr wenigen Stücken auf.

Steve Hackett selbst sagt über das Album:
"Ich habe Verständnis für Alfred Hitchcocks Bedürfnis, einen älteren Film neu zu drehen. Die Vision ist klarer, die Techniken verbessern sich nach innen und außen hin. Für uns Musiker sind Lieder voll Unschuld jetzt unausweichlich Lieder voll Erfahrung geworden.
Ich habe die originale Musik von Genesis so gerne, dass ich sie noch stärker herausheben möchte. Die Versuchung, diese Stücke von mehr Details und besserer Klarheit durchströmen zu lassen, war unwiderstehlich. Musiker bringen den Ball ins Rollen, indem sie ihn einander zuspielen, um dann die vereinten Ideen voranzubringen. Die Songwriter gehen dann notwendigerweise zum nächsten Projekt über, aber der aufmerksame Hörer weiß, dass das Stück wirklich ein feuriger Sonnenwagen, ein Bogen brennenden Goldes oder eine dunkle satanische Mühle ist … Es brennt sich ins Hirn ein und entwickelt dabei ein Eigenleben weit über das hinaus, was seine Urheber sich hätten träumen lassen. Manchmal muss man aber Träume noch einmal leben!
Bei diesen Versionen hier habe ich Details in den Stücken verändert, aber gleichzeitig darauf gezielt, das authentische Flair des Originals zu bewahren.
Echte Streichinstrumente werden oft neben oder anstelle des Mellotrons verwendet, es gibt einige neue Einleitungen und viele zusätzliche Effekte, die mit Apple Mac Logic und Verstärker-Plugins aufgenommen wurden, statt den traditionellen Weg zu gehen.
Es werden euch auch veränderte Gitarren- und andere Solos auffallen, und auch zusätzliche Gesangspartien.
Jedesmal wenn ich ein Solo verändere, habe ich das Gefühl, dass ich die Kindheit von anderen manipuliere, aber manchmal muss ich der Muse einfach ihren Willen lassen ..."

CD-Check

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