Bewegung für Bewegungsmuffel: Es muss nicht immer Jogging sein

Freitag, 28.06.2019 08:56 Uhr

Was haben viele Rockland-Hörerinnen und -Hörer, egal von wo aus dem Sendegebiet sie auch kommen, gemeinsam? Sie gehören zu einer Gruppe von Menschen, deren Alter irgendwo zwischen 30 und 60 rangiert.

Typischerweise ist das auch die Zielgruppe, die heute von Ärzten, Wissenschaftlern, Politikern und anderen Fachleuten immer wieder eines gesagt bekommt:

Mehr Bewegung, bitte!

Das liegt daran, dass wir alle uns tendenziell zu wenig oder zumindest zu einseitig bewegen. Hinzu kommt, dass sich Freizeitgestaltung gewandelt hat. Die Folge: Deutsche sind echte Bewegungsabstinenzler.

Der wirkliche Anlass für die Bewegungs-Aufforderungen ist jedoch ein anderer: In den 30ern ändert der Körper seinen Metabolismus. Ab der zweiten Hälfte dieses Lebensjahrzehnts darf man damit rechnen, pro Jahr ein Kilo draufzupacken, weil die Muskelmasse (die viel Energie verbraucht) langsam schrumpft, im Umkehrschluss wachsen dafür die Pölsterchen.

Zu wenig/falsche Bewegung, ein alternder Körper, ein ziemlich schlechter Mix und nicht selten Beginn einer Abwärtsspirale für Menschen, die bis dato einen absoluten Normalo-Body hatten.

Aber, Hand aufs Herz: Hat man wirklich Lust, zwischen Job und Familie auch noch Laufen zu gehen oder sich ins Fitnessstudio zu schleppen, wie es so viele Ratgeber immer anpreisen und dazu Tipps geben, um den inneren Schweinehund zu besiegen?

Wenn man nicht schon immer sportlich war, wirkt die Aussicht auf derartige Anstrengung auf die wenigsten sonderlich attraktiv, wenn als Vergleich Couch oder Terrassenstuhl warten.

Aber muss ausgleichende Bewegung denn primär sportlich sein? Nein, denn es zählt erst mal nur, dass man sich überhaupt bewegt und das möglichst regelmäßig.

Passend dazu haben wir für den folgenden Artikel ausschließlich harte Bewegungsmuffel-Maßstäbe angesetzt. Die Dinge, die er listet, dürften auch denjenigen zusagen, die nicht ins Fitnessstudio möchten.

Echter Sport

Dieser Artikel wird zweigeteilt sein. Denn Bewegung muss nicht nur rein sportlicher Natur sein. Allerdings ist Sport durchaus die naheliegendste Methode, weshalb wir damit auch loslegen.

1. Kanufahren

Rhein, Mosel, Lahn, Wied und dazu dutzende weiterer Flüsse und Bächlein bis zum Klingbach in der Pfalz. Viele haben gar nicht auf dem Schirm, wie reich an Gewässern unser Bundesland ist und wie entspannend eine Kanutour sein kann.

Listen wir mal die Fakten auf:

1.   Kanus sind ziemlich niedrigschwellige Sportgeräte. Wer sie nicht mieten will, ist bei 2er Tourenkajaks ab 800, bei Kanadiern ab 1200 mit dabei, für neues Gerät wohlgemerkt. Gebrauchtes gibt es oft auch für wesentlich weniger.

2.   Man braucht weder Bootsführerschein noch Einweisung. Selbst eine Kennzeichnungspflicht gilt nur auf einigen Binnenschifffahrtsstraßen. Kanu darf und kann jeder fahren.

3.   Die Geräte lassen sich ziemlich simpel auf dem Auto-Dachgepäckträger montieren. Das begünstigt es auch, nach Feierabend noch kleine Touren zu machen.

4.   Funktioniert allein oder zu mehreren.

Solange man nicht gerade auf dem Rhein unterwegs ist, gilt auch noch etwas Weiteres: Es ist kaum anstrengend, selbst wenn man stromaufwärts paddelt. Man kann in Ruhe die Landschaft genießen, kann plaudern, die Bewegung kommt fast nebenher. Im Zweifelsfall muss man auch immer irgendwann umkehren und darf sich mit Treibenlassen belohnen.

2. (E-)Radwandern

Rheinland-Pfalz ist nicht nur ein Bundesland der Wasserstraßen. Es ist auch eins, das ziemlich viele Höhenunterschiede aufweisen kann. Selbst wenn davon doch nichts wirklich das Prädikat „gebirgig“ verdient, ist es doch Tatsache, dass zwischen Eifel, Hunsrück, Westerwald und Taunus einige Steigungen zu finden sind, die man als Untrainierter auf dem Fahrrad nicht gerade mit Wonne angeht. Anders ausgedrückt: In Schleswig-Holstein motiviert man sich sicher leichter zum Radeln.

Allerdings muss man bedenken, dass die hellen Köpfe der Menschheit uns auch dafür das elektrische Fahrrad beschert haben. Ein spaßiges, vielseitiges und vielfältiges Fortbewegungsmittel, dessen einzige Konstante folgendes sind:

·       Pedelecs schalten den Motor ein, wenn man in die Pedale tritt

·       E-Bikes haben einen Handschalter

sowie Mischformen. Beides ist so lange führerschein- und zulassungsfrei, wie die Motorunterstützung jenseits der 25km/h abschaltet.

Schon innerhalb dieser Gruppe ist mittlerweile alles vertreten, was Rang und Namen hat: Tourenräder gibt es ebenso wie Mountainbikes und Klappräder und wer sich nicht gleich als Elektroradler zu erkennen geben will, findet sogar Bikes, bei denen der Antrieb geschickt versteckt ist.

Damit kann man Touren fahren. Ebenso kann man es jedoch auch zum Ausrede-freien Alltagsvehikel machen und so zur Arbeit und Co. fahren. Selbst mit Elektrounterstützung ist das ungleich körperbewusster als Bus und Auto.

3. Bogenschießen

Wer jetzt ausholen will, um dem Bogenschießen den Sportcharakter abzusprechen, sollte zuvor mal kurz in die Liste Olympischer Sommerdisziplinen schauen. Den ganzen Tag lang mit dem Kanu zu paddeln, ist natürlich definitiv mehr Bewegung als über einen ähnlich langen Zeitraum Pfeile in eine Scheibe zu schießen.

Aber darum geht es beim Bogenschießen auch nicht primär. Es ist die ursprünglichste Form des Schießsports und mal abgesehen vom Biathlon tatsächlich die Körperlichste. Denn es braucht dazu viele unterschiedliche Muskelgruppen.

Zudem schärft es unheimlich die Konzentration. Manche Mediziner sprechen sogar von einer Zen-gleichen Erfahrung, weil hier Körper, Kraft und Umweltbedingungen in Einklang gebracht werden wollen. Damit wird daraus nicht nur ein Körpertraining, sondern auch Abschalten für den Geist, was bei Gestressten nicht weniger positiv für die Gesundheit ist als triefender Schweiß.

Mal abgesehen davon, dass ein anständiger Einsteiger-Sportbogen schon für 100-150 Euro zu haben ist und man in RLP sogar auf dem eigenen Privatgelände damit schießen darf. Weiterer Pluspunkt: Bögen gelten vor dem Gesetz nicht als Waffe, man muss sie also nicht in verriegelten Verhältnissen zu Veranstaltungen transportieren.

Auch das ist Bewegung…

Es wird einige Leser geben, denen auch die genannten drei Sportarten nicht zusagen. Well, no Problem, wie der Brite sagen würde. Rockland wäre nicht Rockland, wenn wir auch noch ein paar andere Dinge vorbereitet hätten. Kein Sport, aber schön körperlich und sogar nützlich.  

1. Hobbygärtnern

Fakt 1: es gibt in Rheinland-Pfalz gut 11.000 offiziell gelistete Kleingärtner, also Mitglieder in einem Schrebergartenverein. Dazu mehrere dutzend Vereine. 

Fakt 2: Es gibt im Land knapp 900.000 Wohngebäude mit einer Wohnung, Amtsdeutsch für Einfamilienhäuser. Bei einem Großteil davon endet das Grundstück nicht mit der hinteren Hauskante.

Fakt 3: Von den 4,07 Millionen Rheinland-Pfälzern hat praktisch jeder die Möglichkeit, ohne untragbaren Aufwand an einen Garten zu gelangen, vor allem, wenn man noch frei verpachtete Gartengrundstücke hinzurechnet.

Jetzt mal bitte vorstellen, wie schweißtreibend es sein kann, einen Garten anzulegen und zu pflegen:

·       Auf- und Umgraben

·       Säen und pflanzen

·       Unkrautbekämpfung

·       Rückschnitte

·       Anlegen von Wegen etc.

Gärtnern kann viele Schweißperlen auf die Stirn treiben und so manchen Muskelkater bescheren. Aber, und das ist das Tolle, es fühlt sich nicht nach Sport an. Denn man tut sich das alles an, um Gemüse und Früchte zu genießen bzw. es in der Freizeit schön zu haben. Gleichsam beansprucht es durch die Vielzahl von Aufgaben den ganzen Körper.

Trick: Wer es auf die Spitze treiben will, nutzt an heißen Sommerabenden auch nicht den Gartenschlauch, sondern tränkt sein Pflanzenmeer per Gießkanne.

2. Holzhacken

Jahr für Jahr steigen die Zahlen derjenigen, die die Wärme in ihrem Zuhause auch über einen Ofen sicherstellen.

Ob man es nun aus Kostengründen tut oder weil Holz ein CO2-neutraler Brennstoff ist, tut dabei nichts zur Sache. Dafür aber etwas anderes:

Wer sich sein Holz ofenfertig gesägt und gespalten anliefern lässt, ist eigentlich selbst schuld, denn er bringt sich um eine hervorragende Bewegungsmöglichkeit. Nein, das soll nicht bedeuten, dass man sich bei den Forstämtern des Landes einen Berechtigungsschein besorgen und auf eigene Faust mit dem „Fichtenmoped“ in den Wald ziehen soll.

Aber man sollte durchaus mal mit seinem Brennholzlieferanten reden, ob er einem das Holz einfach nur auf Ofenmaß abgelängt, nicht aber aufgespalten, anliefern kann. Dann braucht man nur einen Hauklotz (den es ebenfalls beim Brennholzhändler gibt) sowie eine Spaltaxt/Spalthammer und Keile, Ausrüstung für 100 bis 150 Euro.

Wo es in manchen Trainings-Sessions mittlerweile zum guten Ton gehört, mit Vorschlaghämmern auf alte LKW-Reifen einzuschlagen, bekommt man diesen Bewegungsablauf samt Kraftanstrengung beim Holzhacken gratis dazu, spart obendrein noch, weil ungespaltenes Holz günstiger ist und folgt der guten alten Regel „Selbstgemachtes Brennholz wärmt immer zweimal; einmal beim Schlagen und einmal beim Heizen“.

3. Treppengehen

Am besten ist Bewegung doch eigentlich dann, wenn man sie in den Alltag integrieren kann, ohne dass man nach Feierabend oder am Wochenende noch sagen muss „na gut, jetzt noch ein Stündchen“.

Was einige wenige Sportwissenschaftler deshalb immer wieder predigen, ist, den Alltag wieder bewegter zu machen:

Ja, wir können tatsächlich auf Sport im Leben verzichten. Sportwissenschaftler und Sportler sehen den Wald vor lauter Bäumen nicht, wenn sie uns täglich zu mehr Sport auffordern. […] Aus diesen Gründen plädieren wir für intensive und kreative Alltagsbewegungen.“

So formulierte es der Sportwissenschaftler Hans Bloss schon vor einigen Jahren in einem Interview. Beim Befolgen seiner Lehre sind natürlich all jene prädestiniert, die a) in einem vielstöckigen Gebäude arbeiten und es sich b) zumindest teilweise am Tag zeitlich leisten können, Treppe statt Aufzug zu nehmen.

Angst vor zu einseitiger Bewegung muss man dabei nicht haben. Ob Treppensteigen oder Bergwanderung, beides ist ein Kraftakt für den Körper und ein gutes Bewegungspensum, wobei die Treppe noch gewinnt, weil die Intervalle Bewegungsmuffel-tauglicher sind als zu Fuß Erbeskopf, Hohe Acht und Co. hinaufzumarschieren.

Bildquelle: Fotolia.com © Mila Supinskaya

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