Lucky You: Die vielleicht größten Glückspilze der Geschichte

Donnerstag, 22.08.2019 09:38 Uhr

Glück kennen wir alle. Wir vermuten es, wenn wir einen Euro auf der Straße finden, wenn wir ein Trinkglas durch schnelle Reaktion vor dem sicheren Fall bewahren.

Glück kennen wir alle. Wir vermuten es, wenn wir einen Euro auf der Straße finden, wenn wir ein Trinkglas durch schnelle Reaktion vor dem sicheren Fall bewahren. Und zumindest insgeheim wünschen wir auch alle, dass uns das Glück auch dann hold sein wird, wenn es wirklich um etwas Wichtiges zwischen Leben und hohen Summen geht.

Die folgenden Kandidaten können für sich in Anspruch nehmen, bei beidem überreichlich von dem gehabt zu haben, was man wohl als Glück bezeichnet.

Adolphe Sax

Viele kennen jemanden, der schon so oft mit Knochenbrüchen und Co. beim Arzt landete, dass man sich nur halbironisch wundert, wie derjenige überhaupt seine Kindheit überleben konnte. Nun, bei Adolphe Sax, geboren 1814 in Belgien, wäre diese Frage nicht nur sarkastisch:

·       Als er das Gehen lernte, stolperte Sax, fiel drei Stockwerke tief und prallte mit seinem Kopf auf den Steinboden.

·       Im Alter von drei trank er eine Schüssel voll Milch – in Wahrheit war es verdünnte Schwefelsäure, die ebenso aussieht.

·       Kurz darauf verschluckte er versehentlich eine Nähnadel.

·       Etwas später stand er in der Nähe eines Fasses voller Schwarzpulver, das explodierte und ihn ziemlich verbrannte.

·       Beim Spielen in der Küche stolperte er und landete mit dem Gesicht in einer glühend heißen Bratpfanne auf dem Herd.

·       Als er auf der Straße ging, löste sich von einem Dach ein Kopfsteinpflaster-großer Steinbrocken – und landete genau auf Adolphes Kopf.

Und als ob das Überleben dieser Situationen nicht schon Glück genug gewesen war, wurde Adolphe Sax auch noch ziemlich berühmt – er ist nämlich der Erfinder des Saxophons. Endete damit die Glückssträhne? Nein, mit 39 bekam er Lippenkrebs. Und das in einer Zeit, in der jede Krebsform ein Todesurteil war. Doch er erholte sich komplett und wurde bei guter Gesundheit 79 Jahre alt – ohne weitere „Zwischenfälle“.

Unbekannter Brite

Es dürfte wohl nur wenige Situationen geben, bei denen Glück und Erfolg so miteinander verbunden sind wie beim Wetten. Tatsächlich kann man zwar durch cleveres Vorgehen seine Chancen verbessern, aber es bleibt eine mehr oder weniger große Variable, auf die man keinerlei Einfluss hat.

Und es dürfte unstrittig sein, dass ein namentlich leider unbekannter britischer Pferdesportfan ein fast schon unverschämtes Glück hatte: 2002 befand er sich auf der Pferderennbahn im englischen Southwell. Dort war schon früh im Rennen das Pferd „Family Business“ gestürzt. Demensprechend schossen die Wettquoten auf 1000:1 für einen Sieg des Tieres.

Logisch ist es nicht zu erklären, was der Brite tat, aber er setzte dennoch vier Pfund auf Family Business. Und was danach passierte, verblüffte sogar die ehrwürdige BBC: Alle anderen Pferde stürzten ebenfalls oder bockten und warfen die Jockeys ab. Family Business kam tatsächlich als erster ins Ziel und der Mann konnte seine tausenden Gewinn-Pfund in Empfang nehmen.

Kevin Hillier

In Deutschland ist das Schatzsuchen so eine Sache, genauer gesagt Ländersache. Was man hier im Boden findet, gehört nicht automatisch dem glücklichen Finder, sondern die Bundesländer behalten sich eigene Maßnahmen vor.

Bei uns etwa gehören alle Dinge, die einen wissenschaftlichen Wert besitzen (also praktisch alles, was man in der Erde finden könnte) dem Land Niedersachsen und der Finder bekommt nur eine Belohnung, deren Höhe das Landesdenkmalpflegeamt bestimmt.

Anders hingegen in Australien. Da war Kevin Hillier mit seiner Frau am 26. September 1980 in der Nähe von Kingower (Bundesstaat Victoria) unterwegs – die Hilliers waren pleite, Kevin war mit einem Rückenleiden krankgeschrieben und Kingower war in den 1800ern eine Goldsucherstadt gewesen.

Da der Arzt Kevin Wandern gegen seine Rückenschmerzen verordnet hatte, tat er das – und nahm sein Metallsuchgerät mit. Ein Glück: Plötzlich schlug der Zeiger bis zum Anschlag aus. Kevin schaufelte den Boden beiseite und fand in gerade mal 30 Zentimetern Tiefe etwas, das ihm den Atem stocken ließ:

Ein 27,2 Kilogramm schwerer, etwa Säuglings-großer Brocken aus purem Gold.

Die Hilliers hatten ausgesorgt. Für über eine Million Dollar wurde das Nugget an eine amerikanische Casino-Kette verkauft. Die stellt es auch heute noch in Las Vegas aus. Der Name, den die Hilliers ihm gaben: Hand of Faith, Hand des Schicksals.

Mohammad Basheer Abdul Khada

Es gibt Tage, da wäre man besser im Bett geblieben. Eigentlich erfüllt der Tag, den der Inder Mohammad Basheer Abdul Khada 2016 erlebte, alle Voraussetzungen für diesen Gedanken. Wäre er jedoch im Bett geblieben, hätte er es nicht in die Geschichtsbücher geschafft.

Mohammad bestieg am 3. August Emirates-Flug EK521, der ihn aus dem südindischen Thiruvananthapuram nach Dubai bringen sollte, wo er arbeitete. Bei der Landung kam es durch starke Winde zur Katastrophe: Die Boeing 777 machte eine Bruchlandung und ging in Flammen auf.

Wahnsinniges Glück hatten dabei alle an Bord, denn niemand der 300 Passagiere und Besatzungsmitglieder kam zu Tode, es gab lediglich 13 Verletzte. Mohammad kam unverletzt aus dem Wrack hinaus.  

Zugegeben, schon dafür ist die Chance gering, das Glücks-Niveau entsprechend hoch. Was Mohammad jedoch in diesen Artikel bringt, war das, was zuvor und danach passierte. Zuvor hatte er in Dubai vor dem Abflug nach Indien ein Los der „Dubai Duty Free Milliennium Milionaire Lottery“ gekauft. Eine Woche nach der Bruchlandung wurde es gezogen – und Mohammad hatte nicht nur das Glück gehabt, einen Flugzeugcrash unbeschadet zu überstehen, sondern war dank Losnummer 0845 auch um eine Million US-Dollar reicher.

Elmer Sherwin

Wir haben hier bereits Menschen aufgezeigt, die in einem Augenblick Glück hatten, wie es vielen anderen Menschen nicht im ganzen Leben vergönnt ist.

Was jedoch US-Amerikaner Elmer Sherwin von allen unterscheidet, ist, dass sein gewaltiges Glück zweimal unter den gleichen Umständen zuschlug – mit 16 Jahren Abstand.

Ende 1989 hatte das Mirage-Casino in Las Vegas gerade eröffnet. Mit zu den ersten, die ihr Glück versuchten, gehörte Elmer Sherwin. Das Mirage hatte keine zehn Stunden Normalbetrieb hinter sich, da ertönte an dem einarmigen Megabucks-Banditen, den Elmer mit Dollars fütterte, bereits die Jackpot-Lampe.

Und bei den US-Automaten bedeutet „Jackpot“ wirklich „JACKPOT“: Elmer sahnte unglaubliche 4,6 Millionen Dollar ab.

Von denen konnte sich der Rentner mehr als entspannt zur Ruhe setzen. Zumindest bis 2005. Elmer, der Zeit seines Lebens schon ein Faible für einarmige Banditen gehabt hatte, war wieder in der Stadt. Diesmal im Cannery Casino, aber wieder vor einem Megabucks-Gerät.

Der geneigte Leser kann sich schon denken, was passierte. Abermals JACKPOT. Und diesmal noch extremer: Mehr als 21 Millionen Dollar räumte Elmer ab.

Tsutomu Yamaguchi

Schon bei Adolphe Sax konnte man sicherlich geteilter Meinung sein, ob er zeitlebens unwahrscheinlich oft echtes Glück hatte oder schlicht nur viel Glück im unwahrscheinlich häufigen Unglück.

Was Tsutomu Yamaguchi angeht, dürfte sich dieser Gedankenkonflikt nochmal verschärfen. Ja, absolut, der Mann hatte zweimal richtiges Pech. Aber ebenso hatte er, betrachtet man die Umstände, auch zweimal unwahrscheinliches Glück. Und weil er bei beidem nicht weniger als sein Leben gewann und erst als 93-Jähriger verstarb, hat er es verdient, hier als finaler Glückspilz genannt zu werden.

Denn Tsutomu war am 6. August 1945 auf einem Geschäftsbesuch im Hafen von Hiroshima. Als die Atombombe abgeworfen wurde, befand er sich im Freien weniger als drei Kilometer vom Detonationspunkt entfernt; eigentlich ein Todesurteil. Doch er überlebte mit geplatzten Trommelfellen und einer übel verbrannten linken Seite.

Am nächsten Tag schleppte er sich zum Bahnhof und fuhr in seine Heimatstadt, wo er ärztliche Behandlung bekam. Trotz seiner dick-bandagierten Wunden entschied er sich, sofort wieder zu arbeiten – Tsutomu war in der Rüstungsbranche beschäftigt und für die Japaner ging es in dieser Endphase des Krieges um alles.

Am Morgen des 9. August war er wieder auf der Arbeit und berichtete gerade seinem Vorgesetzen. Leider befand sich das Büro in Nagasaki und während Tsutomu erzählte, detonierte die zweite Atombombe, ebenfalls drei Kilometer entfernt. Weil er sich diesmal in einem festen Gebäude befunden hatte, blieb er ohne zusätzliche Blessuren.

Nach dem Krieg gründete er eine Familie und widmete einen großen Teil seines Lebens der Ächtung von Atomwaffen. Erst zum Lebensende hin holte ihn mutmaßlich die Strahlenbelastung ein, als er Leukämie bekam.

Bildquelle:

Pixabay.com © Alexas_Fotos

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