Schwere Jahre stehen bevor: Die FIFA muss sich beweisen

Mittwoch, 24.07.2019 09:04 Uhr

Die FIFA ist geplagt in Zeiten des Wandels, und hat nun auch noch Monster-Aufgaben vor sich. Zusammen mit den neuen Herausforderungen, die durch das global wachsende Interesse am Fußball aufkommen – beispielsweise werden die USA und Australien werden langsam zu Fußballfans, hat die FIFA einige schwere Jahre vor sich. Wenn sie die Aufgaben meistert kann sie sich beweisen.

Die Vergangenheit: Korruptionsprobleme

Der Fußball-Weltverband war in den letzten Jahren in aller Munde. Leider jedoch nicht in einem positiven Licht – der Korruptionsskandal, der sich über mehrere Jahre hinzog, machte der FIFA große Probleme. Die öffentliche Meinung gegenüber dem Verband hat stark gelitten.

Trotz großer Änderungen in der Struktur der Organisation – im Rahmen der Ermittlungen erfolgten viele Festnahmen und die Sperre des langjährigen Präsidenten Sepp Blatter – kann sie sich nicht ganz von weiteren Fehlgriffen lösen. Erst letztes Jahr war sie wieder das Gesprächsthema in den Medien, da im erneuerten Ethikreglement die Regulierungen zu Korruption gestrichen wurden.

Die FIFA scheint also aus den Skandalen nur wenig gelernt zu haben und steht bei Fußball-Fans immer noch in der Kritik. Die negativen Nachrichten reißen auch nicht ab: Erst kürzlich kündigte Blatter an, seinen Nachfolger Gianni Infantino verklagen zu wollen.

Dabei befindet sich der Verband in einer Zeit, in der ein waschechter Umbruch angesichts großer Aufgaben sehr wichtig wäre.

Neue Herausforderungen

Fußball ist zwar schon lange ein weltweites Phänomen, aber hat in den letzten Jahren, besonders im Rahmen der Weltmeisterschaften, nochmals an Beliebtheit gewonnen. Insbesondere in Ländern, in denen der Sport traditionell eher die zweite Geige spielt – die USA und Australien sind hier die Paradebeispiele – ist kürzlich ein wahres Fußballfieber ausgebrochen. In den Vereinigten Staaten, wo „Soccer“ lange Jahre nur ein Schattendasein führte, wächst das Interesse stetig. Nicht zuletzt ist dies auf große Investitionen und das resultierende Wachstum der MLS, also der Amerikanischen Profi-Liga und den Sieg in der Weltmeisterschaft der Frauen 2015 zurückzuführen.

Grundsätzlich ist im Zuge der Digitalisierung die Welt näher zusammengerückt, wodurch internationale Spektakel wie die Fußball-WM an Bedeutung gewinnen. Während solchen Turnieren verfolgen tausende Fans aus aller Welt die Spiele und tauschen sich in den sozialen Medien aus.

Wenn es die FIFA schaffen würde, die Probleme der Vergangenheit hinter sich zu lassen und in dieser prägenden Zeit die neuen Herausforderungen zu meistern, könnte ein neues Kapitel aufgeschlagen werden. Doch zu allem Überfluss steht der Verband vor schwierigen Jahren – nie nächsten beiden Weltmeisterschaften bergen ein großes Risiko.

 

WM in Katar – sehr umstritten

Die nächste Fußball-Weltmeisterschaft der Männer im Jahr 2022 steht schon seit der Ankündigung des Austragungsortes unter einem kritischen Stern. Katar, das sich gegen die Mitbewerber USA, Südkorea, Japan und Australien durchsetzen konnte, wurde bereits 2010 als Gastgeber angekündigt. Seitdem ist keine Ruhe in der Diskussion um das Emirat als Ausrichter der WM eingekehrt.

Die Probleme beginnen schon bei der Abstimmung, da bis heute die Entscheidung für Katar mit korrupten Funktionären in Verbindung gebracht wird. Die Stimmen für das Land, das kaum Fußballtradition hat, seien gekauft worden.

 

Zu heiß für 90 Minuten

Dazu kommt, dass die Temperaturen auf der arabischen Halbinsel in den Sommermonaten, zu denen die WM traditionsgemäß stattfindet, viel zu hoch sind, um sich sportlich zu betätigen. Bis zu 50 Grad Celsius können dort erreicht werden – deutlich zu hoch, hat man doch noch die Spielunterbrechungen für Trinkpausen in Brasilien im Jahr 2014 frisch im Gedächtnis. Dort lagen die Problemtemperaturen übrigens nur um die 30 Grad.

Alleine dieses Problem verursachte ein langes Hin und Her. Zuerst hieß es, die Stadien müssten allesamt klimatisiert werden. Dann wurde die Idee angesprochen, dass das Turnier in den Winter verlegt werden sollte, was natürlich seitens der Fangemeinde und auch Vereinsligen auf Kritik gestoßen ist. Auf der einen Seite müssten Bundesliga und Co ihren gewohnten Spielbetrieb anpassen, damit keine Termine mit WM-Spielen kollidieren.

Auf der anderen Seite haben die FIFA-Weltmeisterschaften im Sommer Tradition – insbesondere in Europa, wo sich die so genannten Public Viewings großer Beliebtheit erfreuen, dürfte eine Austragung im Winter die Fans nicht besonders erfreuen. WM-Übertragungen und ein kühles Bier in der Sonne gehören nun mal zusammen. Im Frühjahr 2015 wurde schließlich dennoch bestätigt, dass die WM 2022 zwischen November und Dezember stattfinden wird.

Doch damit ist es noch nicht getan …

Einer der größten Streitpunkte sind die Menschenrechtsverletzungen, die im Kontext der Arbeitsbedingungen bei der Vorbereitung auf die WM direkt damit in Berührung kommen. Auch die Gesetzeslage bezüglich LGBT in Katar steht in Konflikt mit dem toleranten und weltoffenen Image der Weltmeisterschaft.

Auch die Infrastruktur ist problematisch: Nicht zuletzt aufgrund der fehlenden Fußballtradition müssen neun Stadien neu gebaut werden und die drei bestehenden, die genutzt werden, benötigen große Sanierungsarbeiten.

Die Teilnehmerzahl, die über die Jahre stetig angewachsen war, war ebenfalls lange in der Diskussion, bis kürzlich angekündigt wurde, dass der Plan, die WM in Katar bereits mit 48 Ländern durchzuführen, doch nicht in die Tat umgesetzt wird. Erst 2026 findet also die erste „große“ WM statt.

Die Katar-WM als Chance für die FIFA

Natürlich kann man die Ernennung Katars als Fehler seitens der FIFA bezeichnen, aber das Winterturnier birgt auch Chancen. Wenn bei der Ausrichtung alles glatt läuft und es ein gutes Turnier wird, kann der Verband den Trubel vergessen machen. Insbesondere im Angesicht der Probleme, die im Vorfeld gelöst werden mussten, kann man der FIFA tatkräftigen Willen zusprechen, die WM zu einem Erfolg zu machen.

Zusammen mit Katar wurde die Ausrichtung im Winter so beschlossen, dass große nationale Ligen nur wenig Konflikte in ihren Zeitplänen haben – das Endspiel findet beispielsweise statt, bevor die Premier League ihren traditionsreichen Boxing-Day Spieltag durchführt. Insgesamt wurde dafür der Spielplan so entwickelt, dass er in nur 28 Tagen durch ist. Zum Vergleich: Russland 2018 dauerte 32 Tage.

Wenn alles optimal verläuft, kann man der FIFA also zumindest zugestehen, aus der Situation das Beste gemacht zu haben. Unter diesen Voraussetzungen ein erfolgreiches Turnier zu veranstalten wäre sicherlich bemerkenswert.

Mammutaufgabe: WM 2026 mit 48 Teilnehmern in drei Ländern

Direkt auf die Problem-WM in Katar folgt das nächste große Projekt, an dessen Aufgaben der Weltverband wachsen muss. Als erste WM, die von ihrer Vergabe an unter der Federführung von Infantino steht, kann die nächste Ausgabe zu einem Prestigeprojekt werden.

Bis 2026 müssen nämlich noch einige logistische Probleme gelöst werden. Bei dem Turnier werden erstmals 48 Länder antreten. Ganz im Sinne der globalen Entwicklung ist dies natürlich der richtige Schritt. Mehr Nationen können mit einem Auftritt auf der internationalen Bühne des größten Sport-Spektakels der Welt auf sich aufmerksam machen, mehr Fans werden einschalten. Ein Problem, das viele Fußballfans sehen: Mehr Mannschaften könnte eine durchschnittlich niedrigere Qualität bedeuten. Eine einseitige Vorrunde ohne Top-Begegnungen scheint möglich.

Doch mit dieser Veränderung, die auch mit einem neuen Turniersystem daherkommt, ist es noch nicht getan. Da kein einzelnes Land, sondern der Zusammenschluss „United 2026“ der Ausrichter sein wird, liegen Spielstätten verteilt in Mexiko, den USA und Kanada. Die Organisation wird also erschwert – große Distanzen müssen sowohl von Spielern als auch Fans zwischen Spielen zurückgelegt werden. Eine flächendeckende Partystimmung wie in Deutschland beim Sommermärchen 2006 scheint also unwahrscheinlich, auch durch das geringere Interesse am Fußball in Nordamerika.

Eine Chance

Aber auch diese Weltmeisterschaft kann zur Erlösung der FIFA beitragen. Das Potential, Millionen neue Fans in den USA und Kanada für den Sport zu begeistern, ist auf jeden Fall vorhanden. Auch die Inklusion weiterer Nationen ist auf lange Sicht sicherlich die richtige Entscheidung und kann sich bei einer sauberen Durchführung schnell bewähren.

Zu einem schwierigen Zeitpunkt hat der Verband also zwei große Aufgaben vor sich. Doch anstatt schwarz zu sehen kann es als Prüfung für die FIFA interpretiert werden. Mit etwas Glück kommt es gleichzeitig zur Wende in ihrer Kultur, fernab von Korruption und Altlasten.

Bildquelle: 4Max / Fotolia.com

 

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